Bundesverband Jugend und Film e.V. (BJF) fordert:

Den Schulfilm-Kanon um Filme für Kinder ergänzen!

Im Juli 2003 hat die Bundeszentrale für politische Bildung einen Filmkanon für Schulen präsentiert. 35 Filme sollen Schulen künftig als Basis für die Auseinandersetzung mit Filmen dienen. Was diesem Kanon jedoch fehlt, sind Filme für Kinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren. Diese Lücke füllen nun 25 Kinderfilm-Fachleute aus ganz Deutschland mit ihrem Ergänzungsvorschlag, dem sich innerhalb weniger Tage weitere Organisationen der Kinder- und Jugendfilmarbeit angeschlossen haben.

Seit seiner Veröffentlichung wurde der Filmkanon breit und kontrovers diskutiert. Dass eine solche Aktion Widerspruch hervorrufen würde, war klar. Jede und jeder vermisst ihren bzw. seinen Lieblingsfilm, ein Anliegen, das der Filmkanon sicher nicht erfüllen kann. Was sich aber als roter Faden durch die meisten Diskussionsbeiträge zieht, ist die zu geringe Zahl an Filmen für Kinder. Von den 35 Filmen sind nur sechs für Kinder unter zwölf Jahren geeignet, zieht man den noch nicht benannten „Laurel & Hardy“-Titel ab, bleiben nur noch fünf. Die Jahrgänge der Sechs- bis Zwölfjährigen machen aber den Großteil der Schülerinnen und Schüler aus.

Daher haben die Fachzeitschrift „Kinder- und Jugendfilm-Korrespondenz“ und der Bundesverband Jugend und Film e.V., der Zusammenschluss von über 1.000 Kinder- und Jugendfilmclubs in Deutschland, eine Umfrage unter 25 Kinderfilmexpertinnen und -experten gestartet, um den Filmkanon gezielt um Filme für Schulkinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren zu ergänzen. Die Mehrzahl der an dieser Umfrage beteiligten Fachleute kommen aus der Praxis der Kinderfilmarbeit. Sie organisieren Kinderfilm-Vorführungen in Kinos, in Filmclubs, in Schulen oder sie leiten Kinderfilmfestivals, haben also direkte Erfahrungen mit Kindern vor der Leinwand.

Selbstverständlich brachte auch diese Umfrage ein breites Spektrum an interessanten Filmen zutage, doch kristallisierte sich eine klare Spitzengruppe heraus. Zusammen mit den bereits im Kanon enthaltenen Titeln empfehlen die Kinderfilm-Fachleute insgesamt 14 Titel, die sich hervorragend für den Einsatz in den Schulklassen 1 bis 6 eignen:

  • The Kid, Charles Chaplin, USA 1921, Altersempfehlung: ab 6 Jahren
  • Die Abenteuer des Prinzen Achmed, Lotte Reiniger, Deutschland 1924 - 1926, Altersempfehlung: ab 6 Jahren
  • Emil und die Detektive, Gerhard Lamprecht, Deutschland 1931, Altersempfehlung: ab 6 Jahren
  • Der Zauberer von Oz, Victor Fleming, USA 1939, Altersempfehlung: ab 8 Jahren
  • Die Geschichte vom kleinen Muck, Wolfgang Staudte, DDR 1953, Altersempfehlung: ab 6 Jahren
  • Das Dschungelbuch, Wolfgang Reitherman, USA 1967, Altersempfehlung: ab 6 Jahren
  • Der Wolfsjunge, François Truffaut, Frankreich 1969, Altersempfehlung: ab 10 Jahren
  • Drei Haselnüsse für Aschenbrödel, Vaclav Vorlicek, CSSR/DDR 1973, Altersempfehlung: ab 6 Jahren
  • E. T. - Der Außerirdische, Steven Spielberg, USA 1982, Altersempfehlung: ab 8 Jahren
  • Flussfahrt mit Huhn, Arend Agthe, Bundesrepublik Deutschland 1983, Altersempfehlung: ab 8 Jahren
  • Ronja Räubertochter, Tage Danielsson, Schweden/Norwegen 1984, Altersempfehlung: ab 8 Jahren
  • Auf Wiedersehen Kinder, Louis Malle, Frankreich 1987, Altersempfehlung: ab 10 Jahren
  • Wo ist das Haus meines Freundes, Abbas Kiarostami, Iran 1988, Altersempfehlung: ab 8 Jahren
  • Kiriku und die Zauberin, Frankreich/Belgien/Luxemburg 1998, Altersempfehlung: ab 8 Jahren

Diese Filme bieten Kindern einen hervorragenden Einstieg in die Beschäftigung mit Filmen und sie wecken Lust auf Kino. Schon bei ca. zwei Filmen pro Schuljahr lernen Kinder den Film von seinen auch heute noch amüsanten Anfängen kennen, sehen populäre Filme ebenso wie anspruchsvolle Werke. Ost- und westeuropäische, darunter auch deutsche Produktionen stehen neben US-amerikanischen Filmen, auch der islamische Kulturraum ist vertreten. Somit ist dieser Kanon in vielfältiger Weise ausgewogen, was als Zeichen großer Einigkeit verstanden werden darf, denn die Beteiligten hatten ihre Auswahl unabhängig voneinander getroffen, ohne Gelegenheit in größerer Runde über die Auswahl zu diskutieren.

Der Bundesverband Jugend und Film e.V. (BJF), die Fachpublikation Kinder- und Jugendfilm-Korrespondenz und weitere Kinderfilm-Organisationen schlagen der Bundeszentrale für politische Bildung und der Konferenz der Kultusminister somit vor, diese Filme zusätzlich in den Schulfilmkanon aufzunehmen, um auch jüngeren Schülerinnen und Schülern ein vielfältiges und ihrem Alter angemessenes Schulfilmprogramm zu bieten.

Darüber hinaus sollte der Kanon um Filmempfehlungen aus dem jeweils aktuellen Kinoprogramm ergänzt werden. Als Orientierungshilfen dazu können die Aktion „Lernort Kino“ des Instituts für Kino und Filmkultur und das Qualitätslabel für Kinderfilme dienen, das der BJF gerade entwickelt, und das im Jahre 2004 etabliert werden soll. Schließlich empfiehlt der BJF, den Filmkanon im Abstand von ca. fünf Jahren zu überprüfen und um aktuelle Filme zu ergänzen.

Seinerseits wird sich der Bundesverband Jugend und Film e.V. darum bemühen, diese Kinderfilme ebenso wie die Filme des „großen“ Filmkanons als DVD mit öffentlichen Vorführrechten für Veranstaltungen in Jugendarbeit und Schule zur Verfügung zu stellen. Zu den Filmen des Kinderfilm-Kanons erscheint Anfang 2004 ein Sonderdruck der Kinder- und Jugendfilm-Korrespondenz.

Folgende Organisationen und Institutionen unterstützen den Vorschlag des Bundesverbandes Jugend und Film und der Kinder- und Jugendfilm-Korrespondenz:

Förderverein Deutscher Kinderfilm e.V.
Stiftung Goldener Spatz