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News
Bundesverband Jugend und Film e.V.

BJF-Jahrestagung 2018: Kulturelle Filmarbeit erfolgreich gestalten

Zusammen mit der FBW-Jugendjury aus Oberhausen präsentierte Regisseur Alain Gsponer seinen Film "Jugend ohne Gott".
Zusammen mit der FBW-Jugendjury aus Oberhausen präsentierte Regisseur Alain Gsponer seinen Film "Jugend ohne Gott".

25.4.18

Aktuelle Kinder- und Jugendfilme, Präsentationen und Referate, Workshops und der Austausch von Erfahrungen, wie sich kulturelle Filmarbeit im digitalen Zeitalter erfolgreich gestalten lässt, standen auf dem Programm der Jahrestagung des BJF, die vom 20. bis 22. April 2018 in Wiesbaden-Naurod stattfand.

Die Tagung richtete sich gleichermaßen an Fachkräfe der Jugend- und Kulturarbeit, Lehrer*innen und filminteressierte Jugendliche.
In einem Impulsreferat machte Prof. Dr. Horst Niesyto deutlich, dass sich in den vergangenen 30 Jahren in der nichtgewerblichen Filmarbeit keineswegs alles verändert hat, durch die Digitalisierung aber neue Herausforderungen hinzugekommen sind wie etwa der Schutz der eigenen Rechte im Internet. Das seinerzeit noch geforderte Aktivieren produktiver Formen der Filmarbeit, in denen Jugendliche ihre eigenen Filme herstellen, wichtige Erfahrungen machen und Erfolgserlebnisse sammeln können, ist inzwischen fast schon zum „Normalfall“ geworden. Unverändert von großer Bedeutung bleibt allerdings die rezeptive Filmarbeit mit einem wahrnehmungs- und subjektorientierten Ansatz, bei der junge Menschen an Filme herangeführt werden und sich mit ihnen aktiv und kommunikativ auseinandersetzen, je nach Alter eher spielerisch-kreativ oder sprachlich. Soziokulturelle Bezüge und direkte Partizipation, etwa in der Einbindung der Jugendlichen bereits bei der Filmauswahl, sollten heute selbstverständlich sein. Im Unterschied zu vielen Produkten der kommerziell ausgerichteten Filmindustrie machten die Mitglieder des BJF die Erfahrung, dass das junge Publikum auch Filme mit ernsten Themen sehen will, vorausgesetzt, sie haben mit der Lebensrealität von Jugendlichen zu tun, sind aus ihrer Perspektive erzählt und stellen nach Möglichkeit auch Handlungsentwürfe bereit.

Der BJF hat frühzeitig die Weichen gestellt, um den alten und neuen Herausforderungen gewachsen zu sein, etwa mit der Clubfilmothek, die neben Filmen zu den besonders gewünschten Themen über aktuelle Familienmodelle, Selbsterfahrung, Religion und (geschlechtliche) Identität verstärkt auch Kurzfilme mit niederschwelligen Zugängen und für junge Menschen mit Migrationshintergrund im Angebot hat. Mit erweiterten Lizenzen, dem auf der Tagung als Beta-Version vorgestellten neuen BJF-Online-Filmportal sowie überarbeiteten Verleihkonditionen auf einer sicheren Rechtsgrundlage wurden wesentliche Ausgangsbedingungen für eine erfolgreiche Filmarbeit geschaffen. In mehreren Workshops stellten die eingeladenen Jugendlichen partizipative Projekte vor und entwickelten einen Filmkritik-Kanal auf YouTube.

Angesichts all dieser Aktivitäten und Zukunftsperspektiven fanden es die einzelnen Landesverbände in der anschließenden Mitgliederversammlung mehr als verwunderlich, dass die dringend benötigten Zuschüsse aus dem Kinder- und Jugendplan (KJP) in den vergangenen 20 (!) Jahren nicht angepasst und erhöht wurden, was de facto einer deutlichen Reduzierung gleichkommt. Es scheint fast so, als hätte sich weder auf der überregionalen noch auf der kommunalen Ebene bereits die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Herausforderungen des digitalen Zeitalters mit dem Ausbau der digitalen Netze allein nicht zu meistern sind. Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen ist es dringend erforderlich, sie jenseits der weiteren Kommerzialisierung der Mediennutzung und des „Datenkapitalismus“ (Niesyto) an einen sinnhaften Umgang mit den digitalen Medien heranzuführen. Und dazu gehören zweifellos auch der Umgang mit bewegten Bildern und die filmkulturelle Bildungsarbeit.

Die ausführliche Dokumentation der Jahrestagung erscheint bald in der nächsten Ausgabe der Mitgliederzeitschrift BJF-Magazins und unter

www.bjf.info/veranstaltungen/jahrestagung

Einzelne Projekte des BJF werden gefördert vom

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend