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News
Bundesverband Jugend und Film e.V.

Bericht zur BJF-Jahrestagung 2022


21.4.22

Die diesjährige Jahrestagung des BJF im Wilhelm-Kempf-Haus in Wiesbaden-Naurod ging den Fragen nach, wie sich Filme nutzen lassen, um mit Kindern und Jugendlichen, aber auch allgemein im persönlichen Lebensumfeld über Rassismus und Antisemitismus zu sprechen, um Vorurteilen entgegenzutreten und rassistische Verhaltensweisen und Sprachmuster zu erkennen und kritisch zu reflektieren. Dabei waren neben Betroffenen und Fachreferent*innen viele junge Filmschaffende sowie Mitglieder der FBW-Jugendjurys aus Berlin, Chemnitz, Marburg und Oberhausen. Eine Dokumentation von Holger Twele.

Gleich in den ersten Veranstaltungsrunden mit kurzen Dokumentarfilmen zum Thema und einem Startimpuls wurde deutlich, dass wir durch die Geschichte und unsere Sozialisation alle von Rassismus und Antisemitismus beeinflusst sind, nur vage Vorstellungen darüber haben und problematische Sprachmuster reichlich unreflektiert benutzen. Der Diskurs in beiden Themenbereichen ist so tief in uns verwurzelt, dass er sich auch in vielen Abbildungen, Karikaturen, in der Werbung und in Filmen widerspiegelt. Jemandem da gleich böse Absichten oder gar eine latente „Rechtslastigkeit“ zum Vorwurf zu machen, wäre genau der falsche Weg. Und längst hat sich die Neue Rechte sogar Sinnbilder und Wertvorstellungen aus dem linken Spektrum zunutze gemacht und sie zu eigenen Zwecken umgemünzt. Besonders deutlich wurde das bei dem in der Tagung diskutierten Film “Je suis Karl“, auf den später noch genauer einzugehen ist. Viele Bilder und Klischees haben wir vollkommen unbewusst im Kopf! Daher meinte eine unmittelbar von Rassismus Betroffene: „Es ist nicht schlimm, wenn man Fehler macht.“ Wichtig ist es dagegen, andere Menschen auf solche Konnotationen in Bezug auf Rassismus und Antisemitismus aufmerksam zu machen, nicht einfach abzublocken, zur Reflexion anzuregen und mehr Empathie für diejenigen zu wecken, die gemeint sind und willkürlich diskriminiert werden.

Sehr gelungen ist bei dieser Tagung die unmittelbare Verknüpfung von Sachinformationen und Impulsreferaten mit sorgfältig ausgewählten Filmen, insbesondere aus der BJF-Clubfilmothek. Schließlich wollen viele BJF-Mitglieder mit solchen Filmen arbeiten und besser einschätzen können, was sie zu erwarten haben beziehungsweise worauf sie besonderes Augenmerk legen sollten. In der vorliegenden Dokumentation wurde dieser Aspekt mit farbigen Textpassagen hervorgehoben. Grundsätzlich ging es weniger um die Frage, wie sich die beiden eng miteinander verknüpften Themen filmisch gut umsetzen lassen. Schließlich wurden diese Filme ausgewählt in der festen Überzeugung ihrer Eignung. Filme sind als Projektionsflächen besonders geeignet. In konstruktiver Weise geschieht das, um mögliche Abwehrmechanismen zu durchbrechen, den alten Klischees und Erzähltraditionen etwas entgegenzusetzen und insbesondere auch Denkstrukturen aufzubrechen, in denen es um wertende Gegensätze zwischen verschiedenen Gruppierungen geht, etwa dem „ihr“ und dem „wir“. Es lohnt sich daher, mit diesen Filmen als „Stolpersteinen“ auf die Jugendlichen zuzugehen.

Letztere Aussage mag vor allem in der Filmakquise und im Vertrieb seine Berechtigung haben. Für die Tagung selbst trifft sie weniger zu. Denn sowohl bei den unabhängigen Produktionen junger Filmschaffender zu den beiden Themen als auch bei der Vorbereitung und Moderation der einzelnen Programmblöcke waren Jugendliche unmittelbar eingebunden. In diesem Jahr vor allem Mitglieder der FBW Jugend Filmjury mit Nola Hohlwein und Emila Pegler aus Berlin, Konstantin Heuberg aus Chemnitz, Ariane Köller und Leonie Schwartzberg aus Marburg sowie Nike Glensk, Jana Thelen und Paula Engelke aus Oberhausen. In diese Richtung der unmittelbaren Partizipation sollte es auch in Zukunft weiter gehen. Und vielleicht lässt sich auch der intergenerativer Austausch noch weiter fördern.

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Die gesamte Dokumentation von Holger Twele wird im BJF-Magazin 2-2022 im Juni erscheinen.

www.bjf.info/bjf/magazin.htm

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