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Filme fürs Klima
Bundesverband Jugend und Film e.V.

Infos über Filme zu den Themen Klima, Gerechtigkeit und Umwelt


Das Forum

Deutschland, Schweiz 2019
Regie: Marcus Vetter
Laufzeit: 116 Min.
Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Wenn einmal im Jahr das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos tagt, begrüßt dessen Gründer Klaus Schwab hunderte Mitglieder der globalen Elite aus Wirtschaft und Politik, die sich im noblen Tagungsort dem Dialog und (mindestens ebenso wichtig) der Anbahnung neuer Businessdeals widmen. Als Schwab das Forum 1971 gründete, wollte er die führenden Köpfe der Welt vernetzen. Heute ist diese Vernetzung im Global Village ohnehin Realität und es geht stattdessen darum, reale Begegnungen jenseits der eigenen Filterblasen zu ermöglichen.
Schwab hat längst begriffen, dass die Legitimität seines Lebenswerks davon abhängt, ob er die Weltöffentlichkeit davon überzeugen kann, dass dieses Gipfeltreffen der Mächtigen transparent abläuft und die Welt zum Besseren verändert. Die großen Debatten und Pressekonferenzen in Davos werden daher inzwischen live ins Internet gestreamt. Die Hinterzimmertalks blieben bisher allerdings vor der Öffentlichkeit verborgen. Der Regisseur Marcus Vetter ist nun angetreten, das zu ändern. Dieses groß angekündigte Vorhaben gelingt ihm allerdings nur bedingt. Mehrfach werden Gespräche angesichts der Kamera abgebrochen oder gar nicht erst begonnen. Lobenswert ist es, dass diese Brüche im Film sichtbar bleiben.
Wirklich Neues erfährt man in den knapp zwei Stunden allerdings nur bedingt, während man dem eitlen Tanz (mehrheitlich) alter weißer Männer zuschaut, die sich auf und neben der Bühne in Imponiergehabe und Sozialrhetorik üben. Für ein paar Augenblicke der Wahrhaftigkeit sorgen die resolute Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan und Greta Thunberg, deren unerschrockene Rede in Davos Anfang 2019 dazu beitrug, sie selbst und den von ihr initiierten Klimaprotest weltweit bekannt zu machen. Die wenigen weiteren Momente, in denen es Vetter auch ohne Kronzeugen vor der Kamera gelingt, Schwab und sein Projekt kritisch zu hinterfragen, lassen sich leider an einer Hand abzählen und offenbaren das Dilemma, in dem jeder Regisseur steckt, wenn er sein ‚exklusives‘ Recht auf Einblick nicht verspielen will.
„Das Forum“ bewegt sich folglich notgedrungen zwischen Hofberichterstattung und Investigation, kommt aber keinem der beiden Extreme wirklich nahe. Letztlich muss jeder selbst entscheiden, ob dieser Film neue Erkenntnisse vermitteln kann oder eher als Teil der Rechtfertigungsmaschinerie dazu beiträgt, Verantwortlichkeiten zu verschleiern.
(Luc-Carolin Ziemann)

Themen: Wirtschaft, Politik, Kapitalismus, Klimakrise, Dialog, Systemkritik, Aktivismus, Systemkritik

Website:
Webseite des Films

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