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Die Epoche des Menschen

Originaltitel: Anthropocene: The Human Epoch
Kanada 2018
Regie: Jennifer Baichwal, Nicholas de Pencier, Edward Burtynsky
Laufzeit: 87 Min.
Altersempfehlung: ab 13 Jahre

Luftbilder zeigen das Farbenspiel der Siliziumgewinnung, tausende Stoßzähne getöteter Elefanten stehen in Flammen, eine Koralle erbleicht im Zeitraffer: Heute gestaltet der Mensch mehr als irgendein anderer Einflussfaktor die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse des Planeten Erde. So lautet die These der Forscher und Forscherinnen der interdisziplinären Anthropocene Working Group, die seit 2009 dazu Datensätze auswertet und ein neues Erdzeitalter ausruft: das Anthropozän. Doch welche Folgen haben diese rasanten Eingriffe für die entstandenen Ökosysteme? Und mit welchem Selbstverständnis verändern die Menschen die Erde auf fundamentale Weise? Diesen Fragen gehen die Film- und Medienschaffenden Jennifer Baichwal, Nicholas de Pencier und Edward Burtynsky in ihrem Dokumentarfilm "Die Epoche des Menschen" nach.

Dazu bereisen sie sechs der sieben Kontinente, filmen über 200 Stunden Material und montieren in 10 Monaten eine bildmächtige Weltreise, die das Ausmaß menschlicher Eingriffe in die Natur mit zahlreichen Luftaufnahmen eindringlich visualisiert. Die Bilder beispielsweise des weltweit größten Tagebaubaggers in Nordrhein-Westfalen oder der russischen Industriestadt Norilsk faszinieren und bedrücken gleichermaßen. Die Musikuntermalung und das Soundesign unterstreichen die epochale Größenordnung des Gezeigten und sind auf starke Effekte hin konzipiert. Es kommen aber auch die Menschen zu Wort, die vom Abbau natürlicher Ressourcen leben und sich ganz unterschiedlich zur Umweltzerstörung in Folge ihrer Arbeit positionieren. Der Off-Erzähler – in der deutschen Fassung spricht der Schauspieler Hannes Jaenicke – kontextualisiert das Gezeigte mit wissenschaftlichen Erkenntnissen, die die fatalen Folgen für Natur und Mensch kurz und bündig problematisieren. Inserts von Fachbegriffen wie Terraforming, Technofossilen und Massenausstreben teilen den Film dabei in unterschiedliche Kapitel ein und werden verständlich definiert.

Im Geografieunterricht kann "Die Epoche des Menschen" Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit der Erdgeschichte und Messverfahren der Geochronologie sein. Zudem können Begriffe wie Technofossilen und Terraforming vertiefend behandelt werden. Insbesondere zu letzterem Begriff lässt sich Nicholas Geyrhalters Film Erde aus dem Jahr 2019 vergleichend heranziehen. Wie unterscheidet sich die Inszenierung der beiden Dokumentarfilme? Das Sounddesign, der Einsatz von Musik und die Verwendung des Off-Kommentars heben sich besonders deutlich voneinander ab und regen eine fächerübergreifende Analyse der filmästhetischen Mittel an: Welchen Effekt haben die aufwändigen Luftaufnahmen, schwebende Kamerafahrten und Zoom-outs? Die sozialen und geostrategischen Hintergründe zu einer der größten Mülldeponien der Welt in Dandora (Kenia) lassen sich hingegen im Politikunterricht recherchieren. Warum landet Müll aus den Ländern der nördlichen Hemisphäre, auch aus Deutschland, auf dieser Halde? Unter welchen Bedingungen arbeiten dort rund 6.000 Müllsammler/-innen? Im Biologieunterricht ist der Film ein Ausgangspunkt, um das Ausmaß des menschengemachten Klimawandels und des Artensterbens sowie die Zusammenhänge des planetaren Ökosystems zu thematisieren. Vertiefend bietet die Website "Antropocence Project" fundierte Hintergründe und anregende Materialien on- und offline.

Autor/in: Karl-Leontin Beger für kinofenster.de

Themen: Umwelt, Verantwortung, Erde, Forschung, Natur(-katastrophen)

FBW-Prädikat: besonders wertvoll

Website:
Webseite des Films

Material:
Begleitmaterial des Verleihs

Material:
Filmtipp von kinofenster.de

Material:
Filmtipp von Vision Kino

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